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Auf dem Wilsnacker Pilgerfest zeigen Händler jedes Jahr ihr Handwerk.FOTO: GINA WERTHE

Bad Wilsnack feiert das 20. Pilgerfest mit Theater, Markt und mittelalterlicher Musik

Am 19. August feiert die Stadt Bad Wilsnack ihr jährliches Pilgerfest. Lesen Sie hier alles zum Thema Programm, Pilgerwanderung und Transfermöglichkeiten zur Plattenburg.

Ein Beitrag von Gina Werthe im Prignitzer vom 29.07.2023.

Das 20. Pilgerfest steht vor der Tür. Am 19. August wird Bad Wilsnack mit seinen Einwohnern, Gästen und Touristen eine Zeitreise in die Vergangenheit wagen. Den Start macht die traditionelle Pilgerwanderung von der Plattenburg in den Kurort um 10 Uhr.

„Es wäre gut, wenn sich diejenigen, die an der Wanderung teilnehmen wollen, schon zwischen 9.30 und 9.45 Uhr an der Bushaltestelle an der Wunderblutkirche einfinden“, sagt Martina Richter, Mitglied des Vorstandes vom Förderverein Wunderblutkirche St. Nikolai e.V. in Bad Wilsnack.

Pilgerwanderung: Transfer zur Plattenburg angeboten

Wer sich zu diesem Zeitpunkt einfindet, könne die Vorteile eines Transfers zur Plattenburg genießen, erklärt Richter. Hierfür werden extra zwei Stadtbusse zur Verfügung gestellt. „Wir stellen uns darauf ein, dass wir zwei Touren fahren müssen“, so Richter. Bärbel Mann, ebenfalls Mitglied des Fördervereinvorstandes und Autorin der Pilger-Theaterstücke, ergänzt: „Wir hatten aber auch schon Jahre, da mussten wir noch mit privaten Autos nachhelfen und die Leute herüberfahren.“

Über Besucherzahlen könne man in keinem Fall meckern. Weder bei der Wanderung, noch beim Pilgerfest selbst. „Letztes Jahr waren wir ausverkauft“, erinnert sich Richter zurück. Plötzlich habe es weder Bratwurst noch andere Leckereien gegeben. „Da bin ich noch schnell zum Netto gefahren und habe den Laden leer gekauft“, erzählt Richter lachend. Um die 1000 Besucher seien es letztes Jahr insgesamt gewesen. „Die 500 Bratwürste waren jedenfalls weg.“

Das erhoffe sich der Förderverein für dieses Jahr wieder und da man aus Fehlern lerne, werde für die Kulinarik gesorgt sein. Schmalzstullen, Bratwurst, vegetarische Spieße, Wein, Kaffee, Kuchen – es werde alles zu bieten sein, was auf solch einen Markt gehört, versprechen die beiden Wilsnakerinnen.

Pilgerfest bietet Mitmachangebote für Kinder und Erwachsene

Der Handwerkermarkt eröffne am 19. August gegen 11 Uhr im Schlosspark. Um die 20 Händler hätten sich bislang angemeldet. Sie werden nicht nur ihre Waren, sondern auch ihr Handwerk präsentieren. „Es sind einige Wiederholungstäter dabei, die man schon aus den vorherigen Jahren kennt, aber auch neue Händler werden uns beehren“, freut sich Mann.

Nicht nur für ältere Generationen, auch für Kinder und Jugendliche wird es Angebote geben. So werde die evangelische Kindertagesstätte „Kreuz und Quer“ einen Mitmach-Parkour anbieten, der Nabu wird mit einem Bastelstand vor Ort sein und an anderer Stelle können Pilger-Zeiche aus Zinn gegossen werden. Auch eine Tombola werde es wieder geben.

Pilgertheater beschäftigt sich mit dem Baugeschehen in Bad Wilsnack

Das absolute Highlight des Tages sei um 16 Uhr aber wieder die Aufführung des Pilgertheaters. Seit Jahren lässt Bärbel Mann hier ihrer Kreativität freien Lauf, schreibt die Dialoge und Geschichten. Und da es das 20. Pilgerfest ist, habe sie sich hier natürlich auch etwas Besonderes einfallen lassen, wie sie verrät.

Was genau auf die Zuschauer wartet, wolle sie natürlich noch nicht verraten. Nur so viel: „Es wird um das Baugeschehen gehen. Wie wurde früher gebaut? Was wollte der Bischof? Was wollten die Bad Wilsnacker? Vor allem geht es dabei natürlich um die Wunderblutkirche und wie ihr wieder Leben eingehaucht wurde.“ Dazu gebe es kleine Anekdoten und Spitzen, die sich auf das heutige Stadtbild beziehen, wie beispielsweise zum Thema Marktplatzgestaltung.

Musikalische Untermalung im mittelalterlichen Stile

Es sind bekannte Gesichter, die als Schauspieler auf der Bühne stehen werden. „Die meisten sind schon jahrelang dabei, aber es kommen hin und wieder auch neue dazu“, sagt Mann. Die Proben würden bereits laufen. „Ich habe die Dialoge dieses Jahr verhältnismäßig knapp geschrieben, damit die Schauspieler nicht so viel lernen müssen“, scherzt sie im Gespräch mit dem „Prignitzer“.

Gut eine Stunde wird das Stück dauern. Danach gibt es Musik von der mittelalterlichen Band „Wolgemut“ und später am Abend von „Fisherman’s Band“, die bereits aus der Moorscheune in Boberow dem ein oder anderen bekannt sein dürfte. Gegen 21 Uhr soll der Tag in gemütlicher Runde ausklingen.

Namensfindung für unsere Gesamtkirchengemeinde

Die Gemeinden unseres Pfarrsprengels haben beschlossen, sich zu einer Gesamtkirchengemeinde zusammenzuschließen. Diese Vereinigung bietet uns die wunderbare Möglichkeit, gemeinsam eine starke und lebendige Gemeinschaft zu bilden, in der wir unseren Glauben teilen und uns gegenseitig unterstützen können.

Mit einer solch bedeutsamen Veränderung geht jedoch auch die Herausforderung einher, einen neuen Namen für unsere Gesamtkirchengemeinde zu finden. Daher rufen wir euch heute zu einem Namensfindungswettbewerb auf! Wir möchten euch in den Prozess der Namensgebung aktiv einbinden und eure kreativen Vorschläge und Ideen hören.

Der neue Name unterliegt kirchenrechtlichen Bestimmungen (KGSG §2 Absatz 1):

Der Name der kirchlichen Körperschaft soll an eine den betreffenden räumlichen Bereich prägende Ortsbezeichnung oder ein anderes geographisches Merkmal anknüpfen.  Der Name einer Kirchengemeinde beginnt mit dem Wort „Evangelische“.

Jüngere Beispiele sind: Evangelische (Gesamt-)kirchengemeinde…: Westprignitz;  an Elbe und Karthane; Region Pritzwalk; Mittellausitz; .

Wir ermutigen euch, eure Ideen einzubringen und am Namensfindungswettbewerb teilzunehmen. Sendet eure Namensvorschläge bis zum 31.08. an unser Gemeindebüro oder werft sie einfach in den entsprechenden Briefkasten. Die Gemeindekirchenräte werden dann aus den eingesendeten Vorschlägen den neuen Namen auswählen.

Zu gewinnen gibt es auch etwas: einen Platz (auf Wunsch  einen Weiteren sowie Plätze für Kinder) in der ersten Reihe der Kirche der Wahl im Pfarrsprengel an Heilig Abend, mit Wärmflasche, Kuscheldecke und einer Tasse Glühwein.

Lasst uns gemeinsam diese aufregende Phase unseres Gemeindelebens gestalten. Wir sind gespannt auf eure Vorschläge und freuen uns darauf, einen Namen zu finden, der uns in unserer Region in Zukunft begleitet.

Bitte sendet eure Namensvorschläge bis zum 31.08. an unser Gemeindebüro unter gemeindebuero@wunderblutkirche.de oder werft sie einfach in den entsprechenden Briefkasten.

Bitte teilt uns auch Euren Namen, die Adresse und das Geburtsdatum mit.

Anna Trapp

Dorfkirchen, beliebt aber akut bedroht

Zukunft der Dorfkirchen

Seit Jahren schrumpft die Zahl der Kirchenmitglieder im Land Brandenburg. Viele der insgesamt 1500 Dorfkirchen werden kaum genutzt. Wie kann es gelingen, die Gebäude zu erhalten? Wie bekommen wir wieder Leben in die Dorfmitte? Ist es möglich, die Bauten als
öffentlichen Treffpunkt im Dorf zu reaktivieren?

Anknüpfend an eine Tagung in Prenzlau im Jahr 2021 werden nun konkrete Handlungsempfehlungen und Strategien diskutiert.
Hierbei stehen nicht einzelne Kirchen im Fokus, sondern exemplarisch mehrere Dorfkirchen aus dem Kirchenkreises Prignitz. Um Potentiale beispielhaft zu heben, findet als Impulsgeber im Vorfeld eine interdisziplinäre Sommerakademie mit Studierenden statt.
Gesucht werden neue Denkansätze und Strategien im Umgang mit wenig genutzten Kirchen, Mitnutzungsideen, Visionen und mögliche Kooperationen.

Wilsnack in Europa – Bau und Nutzung der Pilgerkirche zwischen gestern und morgen

Die Wunderblutkirche St. Nikolai in Wilsnack, einst bedeutender Anziehungspunkt unzähliger Pilger aus ganz Europa, gehört zu den wichtigsten spätmittelalterlichen Sakralbauten unseres Landes. Trotz jahrzehntelanger Forschung konnten bislang noch nicht alle Fragen um die sagenumwobene Wallfahrtsstätte gelöst werden.

In den letzten Jahren gelang es im Rahmen umfangreicher Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen am Denkmal „nationaler Bedeutung“ neue Erkenntnisse zur mittelalterlichen Architektur und Ausstattungsgeschichte zu gewinnen und in den historischen Kontext zu setzen.

Expertinnen und Experten stellen nun erstmals die Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit vor und ziehen eine Bilanz für die weitere Forschung. Die Fachtagung soll ferner der Kirchengemeinde und den Denkmalbehörden eine Plattform zum Austausch bieten und darüber hinaus auch zur Diskussion über zukünftige Nutzungen des Baus als geistliches Zentrum und moderne kulturtouristische Pilgerstätte anregen.

Förderverein Wunderblutkirche St. Nikolai
Bad Wilsnack e.V.

Um eine formlose Anmeldung wird unter dieser Emailadresse gebeten:
Gordon Thalmann
kirchenbau@hotmail.de

Download des Flyers zur Veranstaltung (2MB)

Die Glocken der St. Nikolai Kirche Bad Wilsnack

Die Glocken der St. Nikolai Kirche Bad Wilsnack

Ein  Beitrag von Frank Weber. 

Nachweislich seit dem 6. Jahrhundert rufen Glocken Christen zum Gottesdienst und zum Gebet. Sie gelten als Symbol für die Verkündung der christlichen Botschaft. Feierliches Läuten vor Gottesdiensten, Läuten zu bestimmten Zeiten, um zu erinnern. Zu freudigen und traurigen Anlässen, zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Dabei gleicht keine Glocke der anderen.

In unserer Nikolaikirche befinden sich fünf Glocken.

Die drei für das Läuten zuständigen Glocken befinden sich im Dachstuhl unterhalb des Turmes. Es handelt sich um eine große und zwei kleinere Glocken.

Die beiden kleineren, wurden 1959 in Apolda gegossen. Die eine mit einem Gewicht von 1.300 kg und einem Durchmesser von 1,46 m trägt die Inschrift „Christus ist unser Friede“. Die andere mit 920 kg und einem Durchmesser von 1,28 m trägt die Inschrift „Freut euch in dem Herrn allewege“.

Die dritte und größte Glocke mit 2.300 kg und 1,77 m Durchmesser, ist ebenfalls aus Stahl, und wurde 1922 in Bockenem in Niedersachsen gegossen.

Die vierte Glocke, die sich ebenfalls im Dachstuhl unterhalb des Turms befindet, ist die so genannte „Pilgergrußglocke“. Die mit einem Durchmesser von 67 cm eher kleine Bronzeglocke wurde um ca. 1500 gegossen. Sie trägt die Inschrift „veni cum Pace“ (komm mit Frieden).

Die fünfte ist die Stundenglocke in der „Laterne“ des Turmes die zur halben und vollen Stunde schlägt. Eine Bronzeglocke Durchmesser 81 cm von 1613 . Die lateinische Inschrift lautet übersetzt „Es wird die Stunde kommen, in welcher alle die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden“.

Diese Glocke an höchster Stelle der Kirche läutet nicht wie die anderen, sondern wird zur halben und vollen Stunde mit einem Hammer angeschlagen.

Anna Trapp, Pfarrerin im Pfarrsprengel Bad Wilsnack, und Mareike Sabl, Pfarrerin im Pfarrsprengel Wittenberge-Land

Interview: Kirche beim CSD in Wittenberge

Die queere Community geht zum CSD in Wittenberge (Prignitz) auf die Straße. Zwei Pfarrerinnen laden mit ein.

Ein Beitrag von Sibylle Sterzik in der evangelische-zeitung.de vom 14.06.2023.

Anders als in großen Städten werden queere Menschen auf dem Land nicht so oft wahrgenommen. Doch sie sind in Brandenburg zunehmend Angriffen ausgesetzt. Um das zu ändern, hatte eine Gruppe junger Prignitzer im vorigen Jahr in Wittenberge den ersten CSD organisiert. In diesem Jahr findet er am 17. Juni statt. Mit einem Stand ist auch die Evangelische Kirche vertreten. Im Interview mit Sibylle Sterzik erzählen die Pfarrerinnen Mareike Sabl und Anna Trapp, was genau geplant ist – und schildern eigene Erfahrungen.

Warum organisieren queere Menschen in der Prignitz zum zweiten Mail einen CSD?
Anna Trapp: Auch 2023 beim 2. CSD der Prignitz geht es um die Sichtbarkeit von queeren Menschen im ländlichen Raum. Teilhabe, Mitbestimmung, Lebensglück und persönliche Freiheit sind immer noch keine Selbstverständlichkeit. Darum ist der CSD ein wichtiges Sprachrohr in die Gesellschaft.
Mareike Sabl: Der CSD Prignitz ist auf Initiative des Jugendforums Prignitz entstanden. Der Zusammenschluss aus ehrenamtlich engagierten Jugendlichen veranstaltet den CSD auch.

Was ist genau geplant?
Trapp: Wir werden als Kirche mit den Menschen ins Gespräch gehen und zeigen: Wir stehen an eurer Seite und wir sind selbst Teil. Wir werden über die Möglichkeit von Trauungen informieren und einfach auch mitfeiern.
Sabl: Das Model Micaela Schäfer wird als DJane auf dem Demonstrationstruck dabei sein. Danach folgt ein Bühnen-programm, bei dem unter anderem Julian FM Stöckel auftreten wird. Dazu gibt es Gespräche mit lokalen Politiker*innen und Aktivist*innen.

Sind queere Menschen in ihrer Region Angriffen ausgesetzt?
Trapp: Leider ja. Mir ist zum Beispiel ein Fall bekannt, wo ein Männerpaar in seinem Zuhause über­fallen und einer der beiden lebensgefährlich verletzt wurde. Das Paar ist dann aus der Prignitz ­weggezogen.
Sabl: Ich kann leider auch alltägliche Ausgrenzung beobachten. Dazu kommen oft abwertende Sprache und das Lächerlichmachen queerer Menschen.

Gibt es auch gute Erfahrungen?
Trapp: Natürlich. Als meine Frau und ich im Januar ­Eltern geworden sind, haben sich viele Menschen mit uns gefreut und waren gleichzeitig erstaunt und ärgerlich darüber, dass unser Sohn abstammungsrechtlich diskriminiert wird, weil meine Frau ihn erst noch adoptieren muss. Ein O-Ton „Aber Sie sind doch verheiratet, es ist doch Ihr gemeinsames Kind!“
Sabl: Ja. Ich höre durch alle Generationen hindurch: „Was kann an aufrichtiger Liebe falsch sein?“ Darin steckt für mich sehr viel Empathie.

Warum unterstützt die Kirche die Demo und das Anliegen?
Trapp: „Liebe tut der Seele gut“ ist ja das Motto der EKBO. Das zeigt, dass wir als Kirche an der Seite der queeren Community stehen, es geht um die Grundrechte aller Menschen, und daher gehört unsere Kirche selbstverständlich auf den CSD. Das Motto des CSD „Wir. Mehr als Queer“ drückt ja aus, dass Menschen nicht nur eindimensional auf Ihre Sexualität festgelegt werden sollen. Unser Menschenbild ist von der Ebenbildlichkeit Gottes geprägt also auch vielseitig!

Was wünschen Sie sich, damit queere Menschen gut leben können?
Trapp: Empathie. Freude an der Vielfalt. Mut gegen Hetze aufzustehen.
Sabl: Es klingt banal: Wir brauchen Gespräch und Miteinander. Eben: Wir. Mehr als Queer. Menschen mit guten und schlechten Tagen.

17. Juni, 12 Uhr, Demo durch Wittenberge, danach Bühnenprogramm, Paul-Lincke-Platz, mit Stand der Kirchengemeinde, 15 Uhr Kundgebung, 21 Uhr Aftershow-Party, Stadtsalon Safari-Garten, Bismarckplatz 6.

Der Holzschrein in der Wunderblutkirche St. Nikolai, in dem bis 1552 die Hostien aufbewahrt wurden Quelle: pa/ZB/Bernd Settnik

Das „Blutwunder“ von Wilsnack sorgte für lukrativen Boom – und viel Streit

Ein Beitrag von Martin Klemrath auf welt.de. 

Ein enormer Hype, der Faszination und Hoffnung hervorruft, aber auch Ängste, Gier und Neid. Woraufhin Experten (und solche, die sich dafür halten) kontrovers darüber streiten – bis schließlich der Hype fast so schnell wieder abebbt, wie er entstanden ist. Was nach einer typischen Modeerscheinung der überdrehten Gegenwart klingt, hat sich im Mittelalter abgespielt – in einem kleinen Ort im Nordwesten Brandenburgs.

Alles begann im Jahr 1383, als Johannes Calbutz, der Pastor von Wilsnack, behauptete, in den Ruinen seiner Kirche, die in einer Fehde in Brand gesetzt worden war, drei rötlich gefärbte Hostien entdeckt zu haben. Das sprach sich in Windeseile herum und elektrisierte Gläubige, die darin ein „Blutwunder“, die Manifestation des Blutes Christi sahen – und schon setzte der Hype ein.

Sollte der Pfarrer die Hostien wirklich gefunden und nicht einfach eigenhändig mit Blut beschmiert in die Trümmer der Kirche gelegt haben, gäbe es für die rötliche Färbung eine naturwissenschaftliche Erklärung: das Bacterium Prodigiosum (Serratia marcescens), den sogenannten Hostienpilz. Dessen Existenz war im Mittelalter freilich unbekannt, sodass damals die übliche Erklärung für so einen Vorgang eben schnell lautete: ein Wunder!

Bald wurde die Sache zu einem Massenphänomen, und der kleine Ort in der Prignitz, damals eine Gegend, in der die Kirchen arm und viele Geistliche wie Gläubige ungebildet waren, wurde zur Wallfahrtsstätte. Ein Beleg für die große Popularität des „Wilsnack-Laufens“ und das viele Geld, das damit in den Ort gespült wurde, war der rasche Beginn eines Neubaus der Kirche seit 1384, die um einiges größer als der ursprüngliche Bau ausfiel.

Der Neubau der Wunderblutkirche St. Nikolai war weit aufwendiger als die zuvor niedergebrannte Kirche Quelle: pa/dpa/Bernd Settnik

Nun kamen Jahr für Jahr Tausende nach Wilsnack, oft von weit her. Die ganze Stadt lebte von den Pilgerströmen, die zum imposanten Neubau der Wunderblutkirche zogen. Etliche Lokale, Händler und Herbergen standen für zahlungskräftige Kunden aus ganz Europa bereit. Die Stadt blühte auf.

Aber ebenso schnell, wie der Hype entstanden war, hatte Kritik daran eingesetzt: 1405 schrieb der einflussreiche Theologe Jan Hus in Prag eine Schrift gegen das angebliche „Blutwunder“; zwei Jahre zuvor hatte der dortige Erzbischof bereits eine Theologenkommission eingesetzt, die den Vorgang prüfen sollte. Das kam nicht von ungefähr: Vor allem in Böhmen war Wilsnack als Wallfahrtsziel populär – viel Geld floss von dort nach Brandenburg.

Auch rief der Wilsnack-Boom umliegende Gemeinden auf den Plan, die den Zuspruch in ihren eigenen Opferstöcken spürten. Angebliche „Blutwunder“ gab es schließlich an diversen Orten, und entsprechend eine harte Konkurrenz.

Papst Urban VI. unterstützte den Neubau in Wilsnack dennoch mit einem Bauablass. In der entsprechenden Bulle ist von einem „Blutwunder“ noch nicht die Rede. Der Erzbischof von Magdeburg sowie die Bischöfe von Lebus, Brandenburg und Havelberg verliehen einen 40-tägigen Ablass an alle, die nach Wilsnack pilgerten.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Kirchen- und Reichsreformer Heinrich Tocke der energischste Gegner der Wallfahrt. Er hatte in Erfurt studiert, dort Theologie gelehrt, und wurde 1426 Domherr in Madgeburg. Jahrelang nahm er am Basler Konzil teil und stellte dort Entwürfe zu Kirchen- und Reichsreformen vor. Der Historiker Hartmut Bookmann (1934 bis 1998) beschrieb ihn als einen Mann, „dem es wirklich auf Reform ankam, und nicht bloß um eine Veränderung von Machtverhältnissen“.

Die immer neuen Wunderstätten waren Tocke ein Dorn im Auge, er witterte Aberglauben und Betrug. 1444 inspizierte er die Wilsnacker Kirche und war alles andere als überzeugt.

„Symptom eines größeren, grundsätzlicheren Konflikts“

Der Streit um das Wilsnacker „Blutwunder“ bekam so Mitte des 15. Jahrhunderts größere Dimensionen, als die Sache bereits mehrere Jahrzehnte existierte. Er geriet nun in die Gemengelage von Debatten um die Fortführung von Kirchenreformen, die nach der Auflösung des Basler Konzils (1431 bis 1449) und nach der Restauration des Papsttums durch Nikolaus V. begonnen hatte. Der Berliner Historiker Bookmann bewertete den Streit über Wilsnack entsprechend als Symptom eines größeren, grundsätzlicheren Konflikts „um Strukturen der Kirche überhaupt, ein Testfall“ in der Zeit vor der Reformation, die dann 1517 mit Martin Luthers Kritik am Ablasshandel ihren Ausgang nahm.

Zu den Gegnern Tockes und den glühenden Verteidigern von Wilsnack gehörte der Bettelmönch Matthias Döring, ein Franziskaner. Die Theologen dieses Ordens bejahten die Möglichkeit eines „Blutwunders“, während die Dominikaner (der andere große Bettelorden) diese verneinten.

Ordenszugehörigkeit war also ein weiterer Faktor des Streits, der viele Facetten und Fraktionen hatte. Ebenso waren verschiedene Landesherren involviert. Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg, zu dem Döring ein vertrautes Verhältnis hatte, war einer der Hauptnutznießer der Wilsnacker Einnahmen.

Noch heute ist die Wunderblutkirche St. Nikolai ein Wahrzeichen Wilsnacks Quelle: pa/ZB/Bernd Settnik

Tocke gelang es 1451 mit einer mehrstündigen Rede auf dem Magdeburger Provinzialkonzil, den Humanisten, Legaten und Kardinal Nikolaus von Cues von seiner Sicht zu überzeugen. Tocke behauptete auch, Pfarrer Calbutz habe nach seinem Hostienfund in Wilsnack im Jahr 1411 in Magdeburg den dortigen Franziskanern, denen sehr teure Kirchenbaukosten bevorstanden, verdächtigerweise angeboten, ihnen eine noch bessere Wallfahrt zu verschaffen, als es ihm in Wilsnack schon gelungen war.

Ein paar Tage später verbot der Kardinal die Verehrung von Bluthostien. Der Kurfürst von Brandenburg und der Bischof von Havelberg ignorierten das Dekret des Kardinals aber; es folgten wechselseitige Exkommunikationen. Schließlich musste der Papst höchstpersönlich entscheiden, wozu Kurfürst Friedrich II. anlässlich seiner eigenen Pilgerfahrt nach Jerusalem in Rom Station machte. Mit Erfolg: Nikolaus V. kassierte das Urteil. Und so blieb Wilsnack neben Aachen noch einige Zeit das damals bedeutendste deutsche Wallfahrtsziel.

Der geöffnete, seit 1552 leere Blutwunderschrein Quelle: pa/dpa/Bernd Settnik

Doch im 16. Jahrhundert nahm die Zahl der Wallfahrer im Zuge der Reformation ab. Am Ende verbrannte 1552 der erste lutherische Wilsnacker Pastor Joachim Ellefeld die bereits reichlich zerfallenen Hostien vor Zeugen – und handelte sich damit eine Landesverweisung ein.

Der Grund für Wallfahrten nach Wilsnack war damit schlagartig entfallen, und der Ort geriet bald weitgehend in Vergessenheit. Heute ist er vor allem wegen der dortigen Salztherme bekannt, heißt seit 1929 auch Bad Wilsnack. Doch Kurgäste besuchen immer noch die evangelische Wunderblutkirche St. Nikolai, wo der hölzerne Wunderblutschrein zu sehen ist, in dem einst die rötlichen Hostien lagen.

Nach Aachen wird derweil weiter gepilgert. So ist die Stadt im Juni 2023 wieder zehn Tage lang Schauplatz einer religiösen Wallfahrt, die auf das Jahr 1349 zurückgeht und alle sieben Jahre stattfindet. Vom 9. bis zum 19. Juni würden rund 100.000 Teilnehmer erwartet, sagte der Wallfahrtsleiter, Dompropst Rolf-Peter Cremer. Das Treffen der katholischen Gläubigen hätte ursprünglich schon 2021 stattfinden sollen, wurde aber wegen Corona verschoben.

Im Zentrum der Wallfahrt stehen Stoff-Reliquien, die seit der Zeit von Karl dem Großen (748-814) im Aachener Dom aufbewahrt werden. Sie werden nur alle sieben Jahre gezeigt. Die Reliquien werden als Windeln von Jesus, Kleid Mariens, Enthauptungstuch Johannes des Täufers und Lendentuch Christi verehrt. Untersuchungen ergaben, dass die Stoffe in den Jahren zwischen 300 und 500 entstanden sind.

DIE NEUEN GLASFENSTER IN DER WUNDERBLUTKIRCHE BAD WILSNACK SCHAFFEN NEUE STIMMUNGEN. LEIKO IKEMURA

Filmreifes Spiel zwischen Licht und Schatten

Neue Glasfenster der Künstlerin Leiko Ikemura in der Wunderblutkirche übergeben

Ein Beitrag von Ronald Ufer im Prignitzer von 30.05.2023.

Mit sieben Glasfenstern der schweizerisch-japanischen Künstlerin Leiko Ikemura haben die Wunderblutkirche und die Prignitz einen neuen Anziehungspunkt erhalten. Es sind die ersten Glasarbeiten der renommierten Malerin, die weltweit ausstellt.
„Die Arbeiten schaffen eine Verbindung vom Mittelalter in die Gegenwart“, erläutert Christian Richter, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der Wunderblutkirche. „Wir hinterlassen für unsere Generation einen Fußabdruck in der langen Geschichte der Kirche.“ Gestern Nachmittag wurden die Fenster offiziell übergeben.
Die Fenster nehmen in der Wunderblutkapelle und der Sakristei den Charakter der jahrhundertealten Räume auf und fügen neue Stimmungen hinzu. „Ich habe eine Stunde in der Wunderblutkapelle gesessen und den Wechsel des Lichtes, das Spiel von Helligkeit und Schatten in den Fenstern verfolgt. Diese Veränderungen der Bilder waren wie ein Film“, schwärmt Richter.
Leiko Ikemura ließ sich bei den Fenstern von der Geschichte der Wunderblutkirche inspirieren. Der Brand, die von den Flammen unberührten Hostien, die Rolle als Pilgerkirche, Bruch durch die Reformation. Aber die Glasbilder öffnen auch den Blick in Gegenwart und Zukunft, sollen Betrachter zum Nachdenken anregen, was die Kirche und deren Historie heute sind und sein können, was Besucher an Eindrücken und Anregungen aus Bad Wilsnack mitnehmen.
Mit ihren sehr farbigen Arbeiten, die an die Traditionen der Kirche als Knotenpunkt in Nordeuropa anknüpfen und mit Kunstformen anderer Weltregionen wie Kalligraphie und kosmischen Darstellungen verbinden, hat sich Leiko Ikemura einstimmig gegen rund 20 weitere Künstler durchgesetzt.
Bis die Fenster ihren Weg in die Sakristei und die Wunderblutkapelle gefunden hatten, mussten Förderverein und Kirchengemeinde einen spannenden Weg gehen. „Vor sechs Jahren hat mich die Dombaumeisterin Regine Hartkopf während der Bauarbeiten abends in die Wunderblutkapelle eingeladen, hat zwei Kerzen entzündet vor kleinen bunten Glasscheiben. Die Wirkung war überwältigend. So wurde die Idee für die Glasfenster geboren“, erinnert sich Richter.


Finanzierung durch weites Netzwerk gesichert

Dank der gewachsenen Netzwerke wurden Partner gefunden. Denn von Anfang an war klar, dass die Finanzierung ein Schlüsselelement für die Umsetzung der Idee werden würde. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Prignitz, André Wormstädt, wurde schnell gewonnen. Er stellte auch den Kontakt zur Ostdeutschen Sparkassenstiftung her, die ebenfalls Mittel bereitstellte. Auch weitere Unterstützer wurden gefunden. Glaskunstexperte Ivo Rauch aus Koblenz unterstütze mit seinen Erfahrungen das Projekt.
Kirchengemeinde und Förderverein, Amt Bad Wilsnack/Weisen, der Landkreis, das Landesamt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalbehörde, Sparkasse Prignitz, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Landeskirche waren in der Jury vertreten für eine große Breite an Meinungen und Mitwirkungen.
„Leiko Ikemura kam dann zu uns, hat die Baulichkeiten, die Atmosphäre und das Lichtspiel in der Wunderblutkirche in sich aufgenommen“, erzählt Richter. Doch die Umsetzung, für die die traditionsreiche Firma Derix aus Taunusstein gewonnen wurde, verzögerte sich durch Corona und eine schwere Krankheit der Künstlerin um ein Jahr.
Eigentlich sollten die sieben Fenster bereits vor einem Jahr übergeben werden „Sie sind ein Abschluss der Außensanierung, bis zur Innensanierung wird es noch dauern“, so Richter. Er sieht die Glasarbeiten, die wohl bedeutendsten Werke zeitgenössischer Kunst in der Prignitz, als Baustein für die Tourismusentwicklung in der Region. Er hofft natürlich auch, dass sie mehr Besucher und Pilger in die Wunderblutkirche locken.

Leiko Ikemura, Foto: Christian Richter
Leiko Ikemura und Hannes Langbein, Kulturbeauftragter der Evangelischen Landeskirche Berlin/ Brandenburg Oberschlesische Lausitz, Foto: Christian Richter

Glaskunst in unserer Kirche – Pfingstmontag, 29. Mai um 15:00 Uhr

Am 29. Mai – Pfingstmontag um 15:00 Uhr werden die völlig neu gestalteten Fenster in Wunderblutkapelle und Sakristei der Öffentlichkeit übergeben. Landesbischof Christian Stäblein wird mit einer Laudation die Künstlerin Leiko Ikemura und Ihr Werk vorstellen, die Künstlerin wird vor Ort sein, um Ihre Gedanken zum Schaffensprozess mit Ihnen zu teilen. Eingerahmt von Musik wird es Gelegenheit geben, miteinander über diesen bedeutenden neuen Baustein am Bauwerk Wunderblutkirche ins Gespräch zu kommen.

In einem Wettbewerb setzte sich die japanische Künstlerin Leiko Ikemura mit Ihren Entwürfen und Vorstellungen zur Neugestaltung durch – ein mutiger und beeindruckender Gegenentwurf zu der vorhandenen Glaskunst der Kirche – wir setzen damit einen tiefen Fußabdruck unserer Zeit in die Baugeschichte von St. Nikolai. Finanziert wurde dieses Kunstwerk dankenswerterweise von der Sparkasse Prignitz und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.

Herzliche Einladung, am Pfingstmontag dabei zu sein, um sich selbst einen Eindruck von dem beeindruckenden Kunstwerk zu machen.

Christian Richter

Und im Anschluss: Himmlische Klänge unter prächtigem Fensterglas

Orgelkonzert anlässlich der Fertigstellung der neuen Glaskunstfenster in der Sakristei und der Kapelle der Wunderblutkirche
 

Am Pfingstmontag um 17:00 Uhr hält die evangelische Kirchengemeinde Bad Wilsnack ein Orgelkonzert in der Wunderblutkirche für Einheimische und auch Besucher, die gerade in diesen Tagen in der Kurstadt weilen, bereit.

Gerade in einem so zeitlosen Raum, wie dem der Wunderblutkirche mit wunderbaren farbigsten Glasmalereien aus dem 15. Jahrhundert und den an diesem Tage der Öffentlichkeit freigegebenen neuen Glaskunstfenster der Japanerin Leiko Ikemura, in der Sakristei und der Kapelle wirken die Orgeltöne besonders eindrucksvoll.

Das Orgelkonzert spielt Christian Reishaus (Bad Wilsnack) u.a. mit Werken von J. S. Bach, D. Bedard, W.A. Mozart und C. Reishaus.

Anstelle eines Eintrittsgeldes wird eine angemessene Kollektenspende erbeten.

An der Wunderblutkirche fallen letzte Gerüste

In der nächsten Woche beginnt an der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack der Abbau der letzten Gerüste. Danach müssen noch einige Befestigungslöcher geschlossen werden. Am 17. September, wenn die Brandenburger Sommerkonzerte in der Kurstadt gastieren, soll das Ende der Dach- und Hüllensanierung gefeiert werden. Leider werden dann die Kunstfenster in der Sakristei und der Wunderblutkapelle noch nicht eingebaut sein. Christian Richter, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, der die Sanierung maßgeblich vorangetrieben hat, sagt: „Die Fenster wurden schon in der Spezialwerkstatt in Taunusstein gestaltet und sie sind wundervoll geworden, wie mir ein Besuch gezeigt hat. Doch die Künstlerin Leiko Ikemura ist erkrankt und konnte sie noch nicht abnehmen, deshalb verzögert sich der Einbau.“ Richter hofft aber , dass die Fenster noch in diesem Jahr eingebaut werden. Mit dem Fall der Gerüste enden siebenjährige Sanierungsarbeiten an der Wunderblutkirche, die vom Bund als Denkmal von nationaler Bedeutung eingestuft und gefördert wurde. Insgesamt 4,5 Millionen Euro flossen in die Erneuerung der Kirchenhülle. Neben Fördermitteln des Bundes war auch der Kirchenkreis Prignitz stark engagiert. Hinzu kamen Mittel der Landeskirche und Spenden von Privatpersonen. „Wir sind froh, dass die Arbeiten zu Ende gehen und uns die rasanten Kostensteigerungen nur am Ende noch gestreift haben. Sonst hätte es größere Probleme gegeben, vielleicht hätten wir sogar das Dach nicht komplett sanieren können, betont Richter. Ganz beendet sind die Arbeiten aber auch nach Einbau der Kunstglasfenster nicht, die Sakristei soll für kirchliche Nutzungen und Veranstaltungen hergerichtet werden. Neben Bestuhlung und Akustik wird es dabei auch um eine leichte Temperierung gehen. Infrarot-beheizte Bänke sollen es ermöglichen, die übliche Nutzungszeit von Mai bis September zu verlängern. Dort könnte es Lesungen, kleine Konzerte und Gesprächsrunden geben. Christian Richter, Jochen Purps, Vorsitzender des Fördervereins der Wunderblutkirche, und Frank Weber. den drei Ehrenamtlern, die stetig die Sanierung begleitet haben, kommt die Atempause gelegen, um Atem zu schöpfen und dann wieder kreativ werden zu können. Denn die Bemühungen um die Erneuerung des Kircheninneren gehen weiter. Auch wenn derzeit nicht klar ist, woher die vier bis fünf Millionen Euro dafür kommen sollen. Weder aus Politik noch aus der Denkmalpflege kommen bisher Signale, Mittel bereitzustellen. Dabei erwartet Richter gerade bei den Wänden des Kirchenschiffes viele Überraschungen. „Wo Übermalungen abgetragen wurden, sind wir eigentlich immer auf Malerei gestoßen“, erläutert Richter. Es geht ihm aber auch um die praktische Nutzbarkeit der Wunderblutkirche für die Kirchengemeinde. „Wir haben von den Gemeindegliedern aber auch vielen Besuchern große Dankbarkeit für die Sanierung und unser Engagement erhalten“, so Richter. Die Kirchengemeinde ist auf der Suche, Einnahmen und neue Nutzungskonzepte für den Sakralbau zu finden. Dies ist mit der Umnutzung des Inspektorenhauses und des Pilgercafés schon gelungen. Letzteres hat sich gut entwickelt und bietet auch einen Mehrwert für die Wunderblutkirche. Pilger und Besucher werden endlich bewirtet, was auch den Ruf der Wanderblutkirche als Pilger-, touristisches und kulturelles Ziel fördert. Pilgercafé begrüßt auch Wanderer am Zielpunkt ihrer TourÜberlegt wird angesichts der Energiediskussionen auch, ob das Kirchendach mit Solarzellen bestückt werden sollte, um Einnahmen zu erhalten. „Das wäre vom Anblick sicher gewöhnungsbedürftig, erscheint aber sinnvoller, als Photovoltaik auf Agrarflächen zu installieren, zumal die Ausrichtung des Daches ideal für diesen Zweck ist, erläutert der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Überlegungen.