2026

Das Wilsnacker Pilgertheater griff mit Augenzwinkern die Geschichte der Stadt auf. Diesmal ging es um die Zeit nach dem verheerenden Stadtbrand von 1383. (Foto: Sandro Viertel)

Buntes Treiben auf dem Pilgerfest in Bad Wilsnack

Kultur, Kunsthandwerk und Geschichte – das ist die Mischung für das Pilgerfest in Bad Wilsnack. Auch an den Marktständen gab es Besonderes zu erleben.

Ein Beitrag von Sandro Viertel im Nordkurier vom 25.08.2026.

Bad Wilsnack hat am Samstag sein traditionelles Pilgerfest gefeiert. Im historischen Gutspark an der Wunderblutkirche kamen Besucher zusammen, um gemeinsam mit dem Förderverein Wunderblutkirche St. Nikolai zu feiern und zugleich in die Pilgergeschichte der Stadt einzutauchen. Im Mittelpunkt stand wie jedes Jahr das große Theaterstück. Dazu kamen ein neu gestaltetes Bühnenbild, viele Marktstände und das eigens gebraute Wilsnacker Pilgerbier.

Theaterstück verbindet Pilgergeschichte mit Humor

Höhepunkt des Tages war das Theaterstück des Fördervereins. Laut Regisseurin Bärbel Mann knüpfte die neue Inszenierung an das Stück des Vorjahres über den historischen Stadtbrand von 1383 an. Diesmal ging es um die Zeit danach: Die Wilsnacker stehen vor der Aufgabe, ihre zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Die Idee, Pilger nach Wilsnack zu holen, verspricht neuen wirtschaftlichen Aufschwung, stößt bei den Bürgern jedoch nicht nur auf Begeisterung.

Mit Humor griff das Stück verschiedene Aspekte des mittelalterlichen Stadtlebens auf. Das historische Bürgergeld, das Fremde zahlen mussten, um als Bürger der Stadt zu gelten, Zölle und die wirtschaftlichen Interessen von Stadt und Kirche wurden ebenso thematisiert wie die Bedeutung der Wallfahrt für die Entwicklung Wilsnacks. Eine kleine Liebesgeschichte und die von Schauspielern verkörperten Wunderbluthostien ergänzten die Handlung.

Hinter der Aufführung steckte dabei monatelange Vorbereitung. Insgesamt standen mehr als 25 Laienschauspieler auf der Bühne, die meisten aus Bad Wilsnack und der Umgebung. Zwei neue Gesichter verstärkten in diesem Jahr die 15-köpfige Stammbesetzung. „Wir haben seit Februar rund 20 Mal geprobt“, berichtet der Vereinsvorsitzende Jochen Purps. Unterstützt wurde Regisseurin Bärbel Mann bei der Inszenierung von Regieassistentin Chady Seubert.

Für die musikalische Begleitung sorgten Gitarrenspiel und Live-Gesang in den Szenenpausen. Trotz zeitweiligen Regens waren die Plätze vor der Bühne vollständig belegt.

Kinder gestalten erstmals das Bühnenbild

Neu war in diesem Jahr das Bühnenbild: Schüler der dritten und fünften Klassen der Elbtalgrundschule hatten es im Sommer gemeinsam mit dem Förderverein angefertigt und dabei die Architektur der Kirche selbst in die Gestaltung einfließen lassen. Wie Purps berichtete, fand ein solches Bühnenbildprojekt mit Schulkindern zum ersten Mal statt.

„Schlafende Steine“ präsentierte die Künstlerin Amajamaj aus Groß Werzin an ihrem Stand auf dem Pilgerfest. (Foto: Sandro Viertel)

Auch beim Kostümfundus gab es Zuwachs: Die Theatergruppe konnte ihre Kostüme dank einer Förderung aus dem Regionalbudget der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Storchenland Prignitz erweitern.

Für einen besonderen Blickfang sorgte der Marktstand „Schlafende Steine“ der Künstlerin Amajamaj aus Groß Werzin. Die gebürtige Niederländerin bemalt Natursteine mit schlafenden Gesichtern. „Jeder Stein hat eine andere Persönlichkeit“, beschrieb Amajamaj ihre Arbeit. Die Steine eignen sich als Dekoration für drinnen und draußen oder als ruhige Wächter über den Hof. Mit ihrem ungewöhnlichen Angebot fügte sich die Künstlerin in die Vielfalt der zahlreichen Marktstände ein.

Musik, Marktstände und ausverkauftes Pilgerbier

Das Programm begann um 11 Uhr im historischen Gutspark. Auf dem Markt präsentierte sich regionales Kunsthandwerk, unter den alten Bäumen des Parks gab es Mitmachangebote für Jung und Alt, etwa das Bedienen eines Spinnrads. Dazu kamen regionaler Kuchen, fair gehandelter Pilgerkaffee und weitere kulinarische Angebote. Im weiteren Verlauf stand nach dem Theater noch der Auftritt der Prignitzer Coverband „Zwei wie Pech und Schwefel“ mit Rock- und Popklassikern auf dem Programm.

Auch das Wilsnacker Pilgerbier durfte nicht fehlen: 120 Liter aus der Bad Wilsnacker Metschmiede waren im Angebot – und erneut schnell ausverkauft. Gebraut wird das Bier von Peter Michael und Jens Thamm, die sich Anfang 2025 mit ihrer Metschmiede in Bad Wilsnack niederließen. Aus der Idee, ein eigenes Bier für das Pilgerfest zu brauen, entstand ein helles, leichtes Sommerbier, das bereits bei seiner Premiere im vergangenen Jahr großen Anklang fand.

Zum Programm gehörten außerdem eine Tombola sowie die traditionelle Pilgerwanderung von der Plattenburg nach Bad Wilsnack mit anschließender Andacht in der Wunderblutkirche. Das Pilgerfest verband damit auch in diesem Jahr die historische Wallfahrtstradition mit Theater, Musik und einem vielfältigen Festprogramm.

Buntes Treiben auf dem Pilgerfest in Bad Wilsnack Weiterlesen »

Restaurator Björn Scheewe erläutert anhand von Zeichnungen die Baugeschichte der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche. (Foto: Oliver Gierens)

Das wurde bei der Restaurierung der Sakristei der Wunderblutkirche entdeckt

Alte Gemäuer erzählen Geschichten

Die Sakristei der Bad Wilsnacker Kirche wurde viele Jahre restauriert. Dabei traten einige Geheimnisse zutage.

Ein Beitrag von Oliver Gierens im Nordkurier vom 13.08.2026

Rund 20 Besucher drängen sich an diesem Mittwochnachmittag in der kleinen Sakristei der Wunderblutkirche St. Nikolai in Bad Wilsnack. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Gemeinde und der Förderverein zu einer Führung eingeladen hat. „Beim ersten Mal waren sogar 40 Personen da“, freut sich Jochen Purps, Vorsitzender des Fördervereins der Wunderblutkirche.

Hier befand sich früher eine Gruft

Zusammen mit Björn Scheewe, Restaurator aus Lenzen, zeigte er den Gästen einige Geheimnisse, die sich in dem kleinen Raum links neben dem Chor verbergen. Lange Zeit war die Sakristei gar nicht öffentlich zugänglich. Denn der Raum war bis 2019 durch eine Wand geteilt: Im hinteren Teil befand sich eine Gruft. Hier standen fünf bis sechs Särge der Familie von Saldern, die nun auf der Empore ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Davon zeugt noch ein früheres Fenster, das später zu einer Tür umgebaut wurde. Hier befand sich der Zugang zur Saldern-Gruft. Inzwischen ist der Durchgang zugemauert. Ob er in diesem Zustand erhalten bleiben soll, ist laut Purps aber noch nicht abschließend geklärt.

Entdeckt wurde in der Sakristei aber noch mehr, erläutert Scheewe, der das Sanierungsprojekt seit 2019 begleitet: So fand man bei den Bauarbeiten eine Kelleröffnung, die über 500 Jahre alt ist. Wer allerdings auf spektakuläre Funde gehofft hatte, wurde enttäuscht. Dennoch weckte allein die Vorstellung, einen jahrhundertelang verschlossenen Ort wiederentdeckt zu haben, eine große Spannung.

Neue Fenster, altes Gemäuer

Während die Fenster in der Sakristei und der Wunderblutkapelle vor drei Jahren von der schweizerisch-japanischen Künstlerin Leiko Ikemura neu gestaltet wurden, spiegelt der Farbzustand in der Sakristei laut Scheewe etwa den Stand um das Jahr 1470 wider. Das Gewölbe ist mit einer Farbe auf Kalkbasis in Weiß gehalten. Das Gemäuer hingegen ist dunkelrot mit einer Farbe auf Kaseinbasis. Die Fugenstriche, die nicht immer ganz regelmäßig sind, nehmen die weiße Farbgebung wieder auf.

Rund 20 Besucher entdeckten am Mittwochnachmittag die Geheimnisse der Sakristei in der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche. (Foto: Oliver Gierens)
Rund 20 Besucher entdeckten am Mittwochnachmittag die Geheimnisse der Sakristei in der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche. (Foto: Oliver Gierens)

Auch die Tür der Sakristei birgt ein Geheimnis. Das ursprüngliche Schloss, das inzwischen wieder eingebaut worden ist, wurde einst aufgebrochen – vielleicht von napoleonischen Truppen, als sie Anfang des 19. Jahrhunderts in Wilsnack einfielen. Danach wurde eine Replik eingebaut, inzwischen zeigt man wieder das Original.

Renoviert wurde die Sakristei seit 2019 mit „einem oberen fünfstelligen Betrag“ aus Mitteln der evangelischen Landeskirche, wie Purps im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert. Geplant sei, die Sakristei künftig als Winterkirche zu nutzen. Auch Kinovorführungen oder ähnliche Veranstaltungen passen gut zu dem kleinen, aber geheimnisvollen Raum.

Ein aufgebrochenes Schloss, Setzungsrisse über der Tür: Restaurator Björn Scheewe zeigte den Besuchern einige Geheimnisse rund um die Sakristei der Bad Wilsnacker Kirche. (Foto: Oliver Gierens)

Ein Altar ist in der Sakristei jedenfalls vorhanden. Laut Scheewe wurde er nachträglich eingebaut, sodass eine Theorie besagt, dass der Raum ursprünglich nicht als Sakristei genutzt wurde. Grund ist die Bauzeit der zweiten Wunderblutkirche. Der Bau begann um 1445, das Langschiff wurde erst um 1525 vollendet. Auch heute wandelt sich die Funktion des kleinen Raumes erneut. Traditionell dient eine Sakristei zur Vorbereitung des Pfarrers auf den Gottesdienst. Zudem werden hier liturgische Gewänder, Bücher und Gefäße aufbewahrt.

Das wurde bei der Restaurierung der Sakristei der Wunderblutkirche entdeckt Weiterlesen »

Traditionelles Pilgerfest am 22. August in Bad Wilsnack – Kultur, Handwerk und Geschichte unter freiem Himmel

Der Förderverein der Wunderblutkirche lädt am Samstag, 22. August 2026, zum 23. traditionellen Pilgerfest nach Bad Wilsnack ein. Besucherinnen und Besucher erwartet ab 11 Uhr ein abwechslungsreiches Programm mit regionalem Kunsthandwerk, Musik, Theater, kulinarischen Spezialitäten und spirituellen Angeboten rund um die Wunderblutkirche und den historischen Gutspark.

Unter den alten Bäumen des Gutsparks, der grünen Oase nördlich der Kirche, präsentieren Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker aus der Region ihre Arbeiten. Für das leibliche Wohl sorgen regionaler Kuchen, fair gehandelter Pilgerkaffee, das eigens für das Fest gebraute Wilsnacker Pilgerbier sowie zahlreiche weitere Speisen für jeden Geschmack.

Auch das Kulturprogramm bietet vielfältige Höhepunkte. Am frühen Nachmittag nimmt die Gruppe „Lost Village“ um Kat Stojanov das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch das junge Amerika durch die Region der Appalachen und angrenzenden Bundestatten. Mit tanzbaren Klängen voller Lebensfreude und musikalischer Vielfalt versteht sich das Konzert als Hommage an die Begegnung unterschiedlichster Kulturen und Traditionen.

In der Wunderblutkirche laden Heike und Anke Rosenau zu „Klängen im KirchenRaum“ ein. Im hohen Chor der Pilgerkirche entstehen ruhige Klanglandschaften und Schwingungen, die aus einer ungewöhnlichen Perspektive erlebt werden können. Besucherinnen und Besucher werden gebeten, nach Möglichkeit eine Decke oder Matte mitzubringen.

Ein besonderer Höhepunkt beginnt um 16 Uhr auf der großen Bühne im Gutspark: Das Wilsnacker Pilgertheater erzählt in seiner diesjährigen Inszenierung von den ersten Monaten der entstehenden Wallfahrtszeit. Zu erleben sind Wilsnacker Bürgerinnen und Bürger sowie Handwerker in einer Zeit des Aufbruchs und der Zuversicht, in der das Gemeinwesen der Pilgerstadt Gestalt annimmt. Erstmals seit mehr als 400 Jahren werden dabei auch die drei Wunderbluthostien wieder zu sehen und zu hören sein – ein echtes Wilsnacker Wunder.

Für frische Akzente sorgt zudem ein neu gestaltetes Bühnenbild, das von den Schülerinnen und Schülern der dritten und fünften Klassen der Elbtalgrundschule entwickelt wurde. Auch die Kostümausstattung konnte dank einer Förderung aus dem Regionalbudget der LAG Storchenland Prignitz mit Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg erweitert werden.

Im Anschluss an die Theateraufführung übernimmt die Prignitzer Coverband „Zwei wie Pech und Schwefel“ die Bühne. Robert „Schöni“ Schönfeld und Christian „Ebi“ Ebert präsentieren Rock- und Popklassiker der vergangenen 50 Jahre und sorgen bis in den Abend hinein für beste Stimmung – mit Songs, die im Mittelalter zwar noch unbekannt waren, heute aber generationsübergreifend begeistern.

Zum festen Bestandteil des Pilgerfestes gehören außerdem die beliebte Tombola, die ab 13 Uhr beginnt, sowie die traditionelle Pilgerwanderung. Diese startet bereits um 10 Uhr an der Plattenburg und führt nach Bad Wilsnack. Nach der Ankunft der Pilgergruppe findet in der Wunderblutkirche eine Andacht mit Anna Trapp statt. Wer an der Wanderung teilnehmen möchte, kann sich ab 9 Uhr mit einem Shuttle von der Wunderblutkirche zur Plattenburg bringen lassen.

Der Förderverein der Wunderblutkirche freut sich auf zahlreiche Gäste aus der Region und darüber hinaus, die gemeinsam einen Tag voller Kultur, Begegnungen und gelebter Pilgertradition in Bad Wilsnack erleben möchten.

Jochen Purps

Traditionelles Pilgerfest am 22. August in Bad Wilsnack – Kultur, Handwerk und Geschichte unter freiem Himmel Weiterlesen »

20 Jahre Pilgerweg Berlin Bad Wilsnack

Vor 20 Jahren haben wir den Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack mit einem Festgottesdienst in Bötzow eröffnet. Seitdem sind in jedem Jahr viele Pilger auf dem alten Pfad unterwegs. Die Menschen kommen mit bewegenden Geschichten in unsere Kirche und schreiben ihre Gedanken und Gebete in unser Gästebuch. Seit einigen Jahren können ankommende Pilger exklusiv die mittelalterliche Pilgerglocke im Vorraum der Kirche läuten – alle Ankommenden machen dankbar Gebrauch davon.

Alljährlich überprüfen wird die Ausschilderung des Weges und erneuern diese, wo dies erforderlich ist. Das bunte Faltblatt ist in diesem Jahr bereits in fünfter Auflage erschienen. Dazu kommt die jährliche Aktualisierung der Liste der Unterkünfte und die regelmäßige Werbung für den Weg. Ein Höhepunkt war die Wanderung mit der Pilgerglocke im Jahr 2018. In diesem Jahr planen wir eine „Renovierung“ der Internetseite www.wegenachwilsnack.de. Diese ist nun ebenfalls 20 Jahre alt und funktioniert noch einschließlich des shops – braucht aber dringend eine Verjüngungskur.  

Auch wenn der Weg aus Berlin der beliebteste Pilgerweg nach Wilsnack ist, sind in den letzten Jahren weitere Wege dazu gekommen. Dazu zählen der Baltisch-Mitteldeutsche Weg aus Rostock, der Mariannenweg aus Richtung Heiligengrabe mit Beginn in der Mecklenburgischen Seenplatte und die Fortsetzung des Weges nach Tangermünde in Sachsen-Anhalt. Außerdem kommen Pilgernde aus dem Lüneburger und Lübecker Raum zu uns, ohne dass dort die Wege bereits ausgeschildert sind. 

Die Anzahl der Pilgerwege hat in den vergangenen Jahren in Europa enorm zugelegt. Die „Wege nach Wilsnack“ haben anderes als viele der neuen Wege tiefe historische Wurzeln und inspirieren damit Menschen auf ganz eigene Weise, sich auf die Wege der Ahnen zu begeben. Mit jeder Pilgerreise wird die Pilgertradition unseres Ortes und unserer Kirche reicher.

Jochen Purps

20 Jahre Pilgerweg Berlin Bad Wilsnack Weiterlesen »